#16 Körpersprache richtig deuten

Wenn die Arme verschränkt sind, heisst das Ablehnung? Ganz so offensichtlich funktioniert es leider nicht. Aber vielleicht anders….

Ich hatte da mal eine lustige Begebenheit zum Thema Körpersprache. Es saß mir jemand gegenüber, der mir etwas verkaufen wollte. Dieser junge Mensch hatte gelernt, dass man den anderen spiegeln soll, damit er sich wohlfühlt.
Zur Erklärung: Der Mensch mag Gleichgesinnte und wenn da jemand gegenüber sitzt, der sich genauso verhält und gleich dasitzt, kann uns unser Unterbewusstsein weis machen, dass das ein Freund ist.

Also er saß da gegenüber, machte mich nach und wollte sich mit mir gut stellen. Normalerweise funktioniert das ja unterbewusst, deshalb merkt man es nicht unbedingt, denn man ist ja vordergründig mit dem Gespräch beschäftigt.

Aber aus irgendeinem Grund, vielleicht war mir langweilig, merkte ich, dass da etwas nicht stimmt. Da ich nicht so sehr mit dem Gespräch beschäftigt war, fand ich seine Bewegungen unpassend. Was er tat, passte nicht zu seinen Argumentationen. Und da ich mich viel bewegte, merkte ich schnell, dass er mich nachmachte. Sowas geht gern nach hinten los.
In meinem Fall habe ich mir mir (das ist vielleicht ein bisschen frech) den Spaß gemacht, ihn so bewegen zu lassen, wie es mir gefällt.
Das führte unweigerlich zu Chaos in seinem Kopf und das Gespräch war dahin. Er konnte sich irgendwann nicht mehr konzentrieren und gekauft habe ich natürlich nichts.

Aber genau das ist das Problem bei einstudiertem Wissen. Man muss es auch richtig anwenden können. Das Spiegeln funktioniert eigentlich ganz automatisch, wenn ich jemanden mag oder mich mit jemanden so richtig auf einer Wellenlänge befinde. Das muss ich nicht erzwingen.
Dann sitzt man ganz oft gleich da, dann läuft man mitunter im gleichen Schritttempo oder man lacht gemeinsam.
Der bessere Weg ist also nicht so zu tun als ob ich jemanden mag, sondern lieber mal zu schauen, ob mir mein Gegenüber vielleicht wirklich irgendwie sympathisch sein kann. Dann klappt es auch mit der richtigen Körpersprache. Dann macht das mein Köper nämlich ganz allein.

Und so funktioniert – nach meiner Erfahrung – im übrigen auch die Deutung von Körpersprache. Nur zu sagen: Der hat die Arme verschränkt, deshalb ist er ablehnend… Das funktioniert nicht so einfach. Das wäre ja auch einfach zu einfach..;-)
Auch wenn sich jemand abwendet, kann das so viel Bedeuten, da braucht es mehr als nur diese Haltung. Es kann sein, dass er mich nicht mag, vielleicht hat er auch Angst oder vielleicht ist er auch nur in Gedanken ganz woanders.

Zur Körpersprache gehört so viel mehr. Die Mimik, die Gestik, Erfahrungen, gewohnte Verhaltensweisen, der Wohlfühlfaktor, etc…

Um zu erfahren, was jemand mit der Körpersprache sagen möchte, denke ich mich gern in die Person hinein. Das mache ich ohnehin gern und deshalb fällt es mir nicht allzu schwer.
Ich mache ihn nach, versuche mit ihm mitzufühlen, ich probiere aus, wie sich das anfühlt, was er da tut. Und umso genauer mir das gelingt, desto besser verstehe ich den anderen. Denn in mir kommt dann gern das passende Gefühl dazu auf.
Aber dazu muss ich mit dem anderen schon auf einer Wellenlänge sein. Wenn beide dicht machen, komme ich da auch nicht voran. Wobei ich denke, dass in jedem Gespräch eine gewisse Verbundenheit da sein sollte. Sonst bringt es ja eh nichts.

Das gleiche funktioniert auch mit Gesichtern. Wie fühlt der andere sich? Probieren Sie es aus. Wie schauen Sie, wenn sie sich ekeln, erschrecken, neugierig sind. Wie fühlt sich das an? 
Schauen Sie einfach ein bisschen auf sich selbst, und Sie werden auch die anderen verstehen. Das habe ich auch schon im Artikel #6 beschrieben.

Wie schon anfangs erwähnt, machen wir das mit dem Spiegeln unseres Gegenübers eigentlich auch ganz automatisch, wenn wir den anderen mögen und deshalb funktioniert das auch ganz gut, dessen Körpersprache zu deuten.
Ich kann auch hier wieder nur raten, auszuprobieren, ehrlich zu sein und nicht so sehr auf die vorgegebenen Muster zu achten. Die Intuition, das Bauchgefühl oder auch das Mitgefühl sind in mitunter die besseren Ratgeber.

Viel Spaß!

Sabine Pinisch

Passender Artikel:
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#17 Wechselwirkung Körper-Verhalten

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