#20 „Sei du selbst, denn alle anderen gibt es schon…“

…von Sido oder auch Oscar Wilde.

Warum gibt es diesen Ausspruch?
Sind wir nicht wir selbst?
Wer sind wir dann?
Das ist die Frage?  Wer sind wir?
Sind wir die Person, die wir gut finden?
Sind wir die Person, die scheinbar alle anderen gut finden?
Warum gibt es Leute die wir gut leiden können?
Wer sind diese Leute?
Sind die auch jemand anders?Oftmals höre ich von Menschen, dass sie bestimmte Menschen bewundern, dass sie sie total toll finden, dass sie so sein möchten wie diese Leute.
Witzigerweise sind das oft Menschen, die sie gar nicht richtig kennen. Oft sind es entfernte Leute, die einen gewissen Status haben, die von anderen Menschen bewundert werden. Das sind ganz oft die Leute, die wir sein möchten.
Aber da stellt sich mir die Frage, warum die? Wir kennen sie doch gar nicht. Wir sehen höchstenfalls eine Fassade. Eine schöne Hülle. Vielleicht auch schöne Worte. Aber muss das was wir sehen, wirklich die Person sein?

Kann sein, vielleicht ist es so. Aber ganz oft entblättern sich aber viele Menschen, wenn man dann wirklich mit ihnen ins Gespräch kommt. Das ist mir schon so oft passiert, dass ich mir echt auf die Zunge beissen muss, jemanden vorab zu beurteilen.
(Siehe auch der Artikel zum Thema Schönheit.)

Wir sehen ganz oft die eigenen Wünsche, die eigenen Anteile von uns in den anderen. Und mein Eindruck ist, umso weniger ich jemanden kenne, desto mehr ist das Bild ein Bild aus eigenen Erfahrungen, meiner Vergangenheit, meinen Wünschen und meinen Begegnungen.

Erst wenn ich einen Menschen richtig kennengelernt habe, dann kann ich doch wirklich sagen: Ich wäre gern wie er.
Und dort passiert es dann komischerweise seltener. Dann schaut man nämlich genauer hin. Meist sind es dann ganz bestimmte Eigenschaften, die man auch gern hätte oder Fähigkeiten. Und daran kann man dann durchaus arbeiten, wenn man sie nicht schon besitzt.
Ganz oft ist es ja so, dass man schon ganz gut in diesen Dingen ist, sonst würde man es ja gar nicht sehen…. 🙂

Aber trotzdem wollen viele Menschen sein, wie der da, der auf der Bühne steht. Ich denke da an ein Lied von Ich und Ich „Und du glaubst, ich bin stark und ich kenn den Weg….“
Wir sehen doch nur die Kulisse, die Hülle. Und was passiert, wenn wir das nachmachen, kann sich jeder denken:

Wir imitieren eine Hülle. Was werden wir dann? Eine Hülle! Ohne Fülle! Das reimt sich sogar.

Und dann wundern wir uns, warum uns keiner mag. Was soll das auch sein? Eine schöne Hülle ist nur so lange schön, bis wir die Verpackung aufgerissen haben, um uns den Inhalt anzuschauen.

Und was passiert, wenn wir alle wie die anderen sind? Das ist doch langweilig. Jeder hat seine eigenen Arten, seine eigenen Erfahrungen, seine eigenen liebevollen Macken vielleicht. Das ist es doch, was die Begegnung mit Menschen ausmacht. Voneinander zu lernen, Neues zu entdecken. Das macht Spaß. Manchmal nervt es auch. Manchmal reibt man sich dann auch an Leuten und lernt vielleicht auch daraus etwas Neues.

Vielleicht sind die Leute, die wir mögen, die die sehr authentisch sind. Oft mögen das die Menschen. Auch kleine Kinder mögen die echten Leute, die die sich nicht verstellen.

Aber warum verstellen wir uns dann? Warum wollen wir so sein wie die anderen?
Vielleicht weil wir dort sehen, dass es funktioniert. Und dann ist es doch das einfachste es einfach nachzumachen. Und wenn mein Freund sagt: „Guck mal wie toll der da ist“, heisst das doch nicht, dass ich genauso sein muss. Er mag mich doch schließlich auch. Vielleicht sagt er es nur nicht so bewundernd zu uns. Aber vielleicht spricht er über uns ganz genauso, wenn wir nicht dabei sind.

Vielleicht sollten wir daraus etwas lernen: Vielleicht sollten wir mal den anderen sagen, wie toll sie sind. Das wünschen wir uns doch alle irgendwie… Einer muss anfangen!

Vielleicht sind wir dann alle wieder ein bisschen mehr wir selbst.
Das wäre schön.

Sabine Pinisch

passende Artikel:

Gedanken zum Thema Schönheit

Ein Kommentar bei „#20 „Sei du selbst, denn alle anderen gibt es schon…““

  1. Ich sehe eine andere Metapher für deine Gedanken: wir Menschen stehen auf Vorbilder und wie der Begriff schon sagt: es sind Bilder. Diese sind eindimensional – man kann zwar dahinter schauen, aber da ist nichts!
    Und nur so sollte man sich sein Idol vorstellen: ich sehe einen Teil des Ganzen – meist den Teil, den das Idol zeigen möchte. Das ist ja nichts verwerfliches, wer hat nicht schon mal den Bauch eingezogen, um den Waschbär Bauch zu verstecken oder ist auf Zehenspitzen gegangen, um größer zu wirken? Mit diesem Wissen sollte man sich die Vorbilder betrachten und sich klar machen: ich kann so sein, wie er oder sie. Aber nur in dieser einen Eigenschaft. Alles andere wird mir verborgen bleiben.
    Jedoch kann ich mich so weiterentwickeln…

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